Dienstag, 31. Januar 2012

Grant Morrison - The Black Glove (Batman)

Mit der Storyline "Batman and Son" begann der kauzige Brite Morrison seinen Run an Batman. Er führte einen neuen Sohn Bruce Waynes ein und leitete ebenfalls fundamentale Einschnitte in das Batman Universum ein. Seine Hefte wurden sehr häufig kontrovers diskutiert und begannen meiner Meinung nach auch nur sehr behäbig.
Batman and Son entwickelt den Status Quo, Damian wird eingführt und aus seiner Mitgliedschaft in der Batfamilie ergeben sich ganz witzige Situationen. Morrison zeigt hier ein Gespür für geistreiche Dialoge und lässt eine angenehme Dynamik entstehen. Bemerkenswert sind die vielen Hinweise auf spätere Ereignisse, die er schon zu Beginn am Rande säht. Mit den anderen Batmännern führt er eine im nachhinein plausibel begründete Entwicklung ein, die jedoch nicht immer ganz greifbar war. Vom Joker Interlude kann man halten was man will und auch das letzte Heft, das eine dystopische Zukunft zeigt, ist anders. Nach all dieser Exposition entschließt Morrison allerdings nicht mit einer linear verlaufenden Handlung fortzufahren, sondern nimmt den Fuß vom Gas und streut eine ganz und gar großartige Geschichte ein: The Black Glove.
Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Lesen dieser 3 außergewöhnlichen Hefte etwas überfordert war, weil ich eine völlig falsche Erwartungshaltung hatte. Auch sah ich mich anfänglich mit dem ungewöhnlichen Artwork von J.H. Williams III nicht besonders vertraut.
Es sind nur 3 einzelne Hefte und doch gehört dieser Storyarc mit zum Besten, was ich bisher gelesen habe.
Dabei klingt der Ausgangspunkt denkbar uninspiriert und dämlich. 
Batman reist zu einem exzentrischen Milliardär, der in der Vergangenheit mal ein Team aus Batman Rip Off Charakteren zusammen gestellt hat. Vom Römergimmick über Indianer und Degenhelden ist alles dabei.
Einige dieser traurigen Gestalten tun einem direkt leid und das Comic versprüht von Anfang an ein herrlich altmodisches Flair. Besonders schön sind die stilistischen Mittel derer sich J.H. Williams bedient. Bei Rückblenden setzt er auf einen komplett alten Silver Age Comicstil. Die normalen Personen werden in einem aktuellen Comicstil gehalten, aber Batman und Robin wirken wie gemalt, geradezu künstlerisch. Wenn man dann noch mit der virtuosen Panelaufteilung konfrontiert ist, schlägt man entweder die Hände über dem Kopf zusammen und läuft davon oder man lobpreist den Herrn dafür, dass er so einen talentierten Künstler an ein Comicbuch gelassen hat. Oder aber es tritt zuerst das eine und dann das andere ein, wie es bei mir der Fall war.
J.H. Williams III frönt der alten Schule
Wir haben also diese teilweise zerstrittene alte Bande aus abgehalfterten Superhelden, die alle ihre ganz eigenen Problemchen haben und irgendwie in ihrer Dynamik an Alan Moores Watchmen erinnern. Mit ihnen hat dieses internationale Batman Team auch gemein, dass es keinen mit echten Superkräften gibt. Irgendwas ist in der Vergangenheit vorgefallen, das die Motivationen einiger besonders stark prägt. Tja und wir befinden uns natürlich auf einer Insel und Morde geschehen. 
Wir sind also in einer durch und durch klassischen Kriminalgeschichte, in der der Mörder die eingeladenen Gäste sukzessive dezimiert. Wer der Killer ist und welcher Grund hinter seinem Handeln steckt, bleibt im Dunkeln. 
Wer die herrliche Parodie "Murder by Death" von 1976 kennt, wird hier seine Freude finden, aber auch Edgar Wallace oder Miss Marple Fans sehen hier einzelne Versatzstücke aus klassischen cosy Kriminalgeschichten.
Garniert wird der Plot dann noch mit drastischen Gewaltszenen und einer sehr plausiblen Auflösung, bei der trotzdem nicht alles gelüftet wird.
Die 3 Hefte können auch als ganz eigenes Comic stehen und doch bilden sie ein kleines Mosaik im Aufbau von Morrisons großartiger Geschichte.
Wer sich drauf einlässt und auch gern mal eine spannende Kriminalgeschichte verfolgt, wird hier fündig werden. Sogar diejenigen, die Morrison wegen seiner psychodelischen Intermezzi hassen, machen nichts falsch. 
Zugreifen! Solange der Vorrat reicht!
der virtuose Stil

1 Kommentar:

  1. Ich stehe halt total auf Grant Morrison. Black Glove steht noch auf meiner Liste. Zuletzt habe ich mir Batman & Son gekauft. Und dann werde ich mich wohl endlich an Rip wagen. Nach dem was man so hört, muss das ja unfassbar anspruchsvoll sein.. :D

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