Samstag, 25. Februar 2012

Image Expo: Morrison - Happy

Die Image Expo hat ihre Pforte geöffnet und einige neue Serien angekündigt. Die größte Überraschung: Grant Morrison bekommt seine eigene Serie HAPPY.
Gezeichnet wird Happy von Darick Robertson und soll im Dezember 2012 erscheinen. Aber dies wird wohl nicht die einzige Zusammenarbeit mit Image Comics bleiben.
Außerdem wird das digital Comic "Planetoid" von Ken Garing ebenfalls bei Image erscheinen.
Sowie "Chin Music" von Niles und Harris:


Außerdem gab es zwei spannende Teaser eines noch anzukündigenden Titel:

Sonntag, 5. Februar 2012

American Vampire (Stephen King, Scott Snyder, Rafael Albuquerque)

Wir alle sind etwas müde von den romantischen und zartbesaiteten Vampiren, die zusammen mit Werwölfen durch Wälder rennen und kleine Mädchen zum Kreischen bringen.
Umso schöner ist es, dass eine ambitionierte Comicserie namenhafter Autoren es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Vampiren wieder das zurück zu geben, was ihnen derzeit in den Lichtspielhäusern genommen wurde: das Furchteinflößende.
Der erste Sammelband umfasst 5 Hefte der Serie auf 200 Seiten in einem großartig aufgemachten Hardcover. In jedem Heft teilen sich Scott Snyder und Stephen King, der hier sein Comicdebut gibt, die Seiten und erzählen in unterschiedlichen Zeitebenen eine Geschichte die von 1880 bis ins Jahr 1925 reicht. Auch wenn Albuquerque beide Autoren zeichnet, wird durch die unterschiedlichen Kolorierungen beim jeweiligen Schreiber der Effekt erzeugt, man hätte es mit 2 verschiedenen Zeichnern zu tun. Bei Snyders Part gibt es einen eher sterilen und klaren Stil, bei King wirken die Zeichnungen dagegen malerischer.
Inhaltlich geht es um Vampire, die aus dem alten Europa in die neue Welt aufbrachen und diese sukzessive unterwandert haben. Durch einen dummen Zufall erschaffen diese jedoch eine neue Abart von Vampiren, die in ihren Eigenschaften stark von den herkömmlichen Blutsaugern abweichen: die amerikanischen Vampire.
American Vampire ist episch, sexy, western, blutrünstig und sehr künstlerisch.
Mehr muss über den Inhalt auch gar nicht verraten werden. Zudem bietet der Band eine relativ abgeschlossenen Handlung, die mit einigen Twists und Plotpoints garniert ist, so dass durchaus Spannung aufkommt.
Fällt es anfänglich noch schwer, dem Geschehen zu folgen und bleibt die Geschichte noch relativ zahm und langatmig, gewinnt sie im Verlauf des Bandes stetig an Fahrt und Spannung.
Leider kommen die einzelnen Personen etwas kurz. Eine klare Hauptfigur gibt es nicht, dies ist jedoch auch dadurch bedingt, dass die Handlung auf unterschiedliche Erzählstränge verteilt ist.
Insgesamt ist es aber eine absolut runde Sache kurzweiliger Unterhaltung. Dank des großartigen Artworks wird der Band sicher einer der wenigen sein, zu dem man noch ab und zu wieder greifen wird.
Da wir erst am Anfang einer Reihe stehen, bin ich mir sicher, dass das Kreativteam noch einiges in petto hat und wir uns auf weitere spannende Geschichten im jungen Amerika freuen können.
Erschienen ist die Serie bei Vertigo, dem Imprint für Erwachsene bei DC. Wer auf eine deutsche Übersetzung verzichten kann, sollte definitiv zu der momentan sehr günstigen englischen Ausgabe greifen. Hier sind nämlich noch einige Seiten an Skizzen, Variantcovern und Skriptauszügen als Bonus dabei.
Die deutsche Ausgabe von Panini erschien Ende Oktober im Hardcover und wird am 23. November als broschiertes Trade noch mal aufgelegt.
Definitiv was zum ins Regal stellen und toll finden.

JLA 1-4 New World Order

Autor: Grant Morrison 
Zeichner: Howard Porter  
Story: Die USA sind verunsichert, eine mysteriöse Gruppe aus Superwesen, die sich der Hyperclan nennt, landet auf der Erde. Unter der Führung des güldenen Protex entpuppt sich die Bande als scheinbar friedlich. Ein bisschen wie Klaatu damals in "The Day The Earth Stood Still" (1951) kommen die Fremden, um der Erde zu helfen. So versuchen sie den Boden in der Sahara wieder fruchtbar zu machen, weitere Wunder zu wirken und errichten 3 Stationen. Die Menschen stehen plötzlich auf der Seite des Hyperclans und wenden sich gegen die JLA. Das Hauptquartier der JLA wird dann auch noch zerstört und die "alten" (?) Mitgliedern sind dann erstmal außer Gefecht. Im Folgenden macht sich die JLA in Teams auf den Weg zu den Stationen. Sie werden gefangen genommen und auf in einer Art außerirdische eiserne Jungfrau gesteckt. Der Martian Manhunter läuft zu den Außerirdischen über. Nur Batman hat es unbehelllicht in das Hauptquartier geschafft, ganz ohne Superkräfte herausgefunden, dass die Typen Marsianer sein müssen und ihnen Feuer unterm Arsch gemacht werden kann. Die JLA gewinnt.    
Morrison stürzt hier im Prinzip mit der Tür ins Haus. Es wird ein unbekanntes Superwesenteam auf die Erde gebracht, dass die Menschen polarisiert und zumindest ein ambivalentes Gefühl beim Leser hinterlässt. Dass er das heikle Thema der Todesstrafe anschneidet und somit eine grundsätzliche Frage über Moral in den Raum stellt, passt zum Themen "Bedrohung von Außerhalb" ganz gut. Ansonsten passiert einiges. Aquaman hat immer noch kein Bock auf die JLA und geht WW fast an, Flash und Green Lantern verstehen sich nicht so super wie ihre Vorgänger und die ganze Geschichte hat eine herrliche Note aus vielen alten Science Fiction Geschichte wie die Body Snatcher, Krieg der Welten oder eben dem Tag an dem die Erde stillstand. Morrison nutzt das Medium Comic einmal wieder, um ein bisschen medienkulturelle Aufklärung zu verbreiten, daher vermutlich auch die vielen Anspielungen auf die großartigen Filme und Bücher. Ich glaube im ersten Heft war es doch so, dass die Marsianer meinte, sie wären schon einmal dort gewesen und haben da vermutlich auch diese Stützpunkte errichtet (Kriegt der Welten), Gedankenkontrolle der Menschen (Body Snatchers) oder eben Independens Day mit der Raumflotte die angreift. Sind sonst noch wem Zitate zu SciFi Streifen aufgefallen? Jedenfalls war die Konklusion, dass die weißen Marsianer aus ihrer Zwischendimension entkamen und überhaupt die ganze Hintergrundgeschichte mit ihrem Eingriff in die Menschenwelt, sehr cool gemacht. Der detektivische Teil mit der Identifizierung der Marsianer war ebenfalls einleuchtend. Etwas schade fand ich, dass aus der Idee der weißen Marsianer und ihrem Besuch der Erde nicht noch etwas mehr gemacht wurde.  Das Ende verrät außerdem, dass die weißen Marsmenschen noch einmal zurück kehren könnten, wobei die feuernahen Jobs doch naja..nicht ganz so clever erscheinen. Auf jeden Fall eine ausgezeichnete Wahl der ersten Bedrohung. Dadurch wurde J'onn noch einmal beleuchtet und die Ambiguität, mit der er in der Welt der Menschen lebt. Die Dynamik im Team fehlt nocht etwas. Vermutlich wollte man zu Beginn auch den Neuleser mit nicht zu viel character development überfrachten und ist deshalb mehr auf Action gegangen. Wie gesagt die Thematik über Capital Punishment, aber auch den Grad des Wirkens der JLA fand ich eigentlich ganz gut. Für ein Comicbuch sehr reflektiert und nicht zu pathetisch. Sups mit langen Haaren war auch mal wieder eine nette Abwechslung. Abschließend ein sehr einsteigerfreundlicher und geschlossener erster Arc, bei dem vor allem auf die Story gesetzt wurde.   
Zeichnungen: Porter hat dafür, dass wir uns noch mitten in den 90ern befinden einen erfrischenden Stil, der ein bisschen futuristisch wirkt. Obwohl viele kleine Panels verwendet werden, sind sie doch ausreichend detailiert. Über Wonder Womans Frise kann man sich sicherlich streiten, aber ansonsten passt für mich alles. Auch die eigenheiten der jeweiligen Charaktere wurde sehr gut getroffen.

Welcome To Hoxford - Ben Templesmith

Ben Templesmith, einer der ganz großen Künstler in der Comicbranche. Mit der Verfilmung seiner Comicserie "30 Days Of Night" wurde er auch über den Comicnerd-Tellerrand hinaus bekannt. Sein eigenwilliges und künstlerisches Artwork lässt sich unter Tausenden wieder erkennen und nicht nur das, er ist auch noch ein brillianter Geschichtenerzähler.
Ein ganz besonderes Comicbuch, das ich heute besprechen möchte, ist sein von ihm in Personalunion erschaffenes Meisterwerk "Welcome To Hoxford".
Doch zuerst ein paar Worte zur Veröffentlichung.
Auf dem deutschen Comicmarkt ist es leider bis heute immer noch nicht gelandet, aber dank der Globalisierung gibt es für kleines Geld das wirklich schön aufgemachte Trade von IDW Publishing. Stabil, so dass es auch nach mehrmaligem Lesen noch unverbraucht aussieht und mit einer ganzen Ladung an Extras ausgestattet.
Denn neben der Covergalerie sind noch sehr viele Probezeichnungen und Sketche im Anhang enthalten.
Ok, worum geht es?
Ein ziemlich irrer Typ, der eine schlimme Kindheit hatte und dem der Krieg nicht wirklich gut getan hat, sitzt im Kittchen ein und hat ein großes Problem mit Mithälftlingen. Befindet sich eine andere Person außer ihm selbst in der Zelle, muss er diese einfach platt machen. Ach ja, und da ist noch diese andere Sache. Er hält sich für Cronos, den Gott. Außerdem plaudert er gerne mit Mäusen, die er für seine Mutter hält und hat generell eine sehr spezielle Wahrnehmung der Realität. Ein hoffnungsloser Fall, vollgepumpt mit Psychopharmaka, damit es irgendwie besser wird.
Als er einem weiteren Insassen die Lichter ausknipst, wird er allerdings abgeschoben in einen Knast, der von einer russischen Organisation geleitet wird, Hoxford.
Andere Typen, die mit ihm unterwegs gen Hoxford sind: ein pädophiler Christ, ein Vergewaltiger, eine Nekrophiler und ein Kannibale. Kurz, der Abschaum der Gesellschaft.
Man möchte denken, die Leiter des Gefängnisses haben alle Hände voll zu tun und verdienen Mitleid. Aber: ihr seht doch diesen Werwolf auf dem Cover da oben? Tja, der ist auch in diesem Knast und eins sei noch verraten, er ist kein Häftling.
Ich hoffe, ich habe nicht zu viel gespoilert, aber es erwartet den Leser eine rasante, düstere und blutrünstige Achterbahnfahrt.
Der unglaublich großartige Zeichenstil von Templesmith passt perfekt zur inszenierten Stimmung. Manchmal ist es etwas unübersichtlich und man muss kurz innehalten, allerdings ist eigentlich jedes einzelne Panel ein Kunstwerk für sich. Obwohl das Comicbuch wirklich ungemein brutal ist und schwer auf den Magen schlägt, lässt die offensichtliche Geisteskrankheit des Protagonisten und die daraus resultierenden Sprüche ständig urkomische Situationen entstehen.
Jetzt möchte man sich eigentlich fragen, wie Templesmith auf ein derart bizarres Szenario gekommen ist. Tja, Pate war, wie so oft, ein stückweit die Realität. Denn für einen Teil seiner "30 Days Of Night" Reihe bekam er ein paar Probleme mit dem Verleger. Grund, sein Comic spielt zum Teil im zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Da lässt es sich nicht vermeiden, Russen gegen Nazis kämpfen zu lassen, jedoch stieß das einigen etwas sauer auf. Sie waren der Meinung, das Comic würde "promoting hatred between nationalities". Der gute Ben hat sich also im Zuge dessen mit den Gefängnissen auf diesem Planeten befasst und so Inspiration für sein Werk erhalten.
Eine eigene Promowebseite bekam "Welcome To Hoxford" auch noch spendiert. Man kann sie hier finden.
Unbedingt lesen, wie alles von Templesmith (Singularity 7, Choke, Fell, Wormwood)
Wer sich noch nicht sicher ist, kann hier in das erste Heft kostenlos reinlesen.

Freitag, 3. Februar 2012

The Rocketeer von Dave Stevens

Um die Weihnachtszeit habe ich dieses Juwel in einem Dresdner Comicshop erstanden. Es ist ein Comicbuch, dessen eigentliche Veröffentlichung schon etwas länger zurück liegt. Ursprünglich wurde The Rocketeer in den 80ern verkauft und erschien jüngst in einer edlen gesammelten Edition beim deutschen Comic Verlag Cross Cult.
Die Geschichte dreht sich um den waghalsigen Kunstflieger Cliff Secord, der durch einen dummen Zufall in den Besitz einer streng geheimen Technologie gelangt - den Raketenrucksack. Dieser lässt sein bisher ohnehin schon turbulentes Leben noch ein wenig verrückter werden. Da hilft es auch nicht, dass seine Freundin, die sich den Durchbruch im Showgeschäft erhofft, mit Eifersüchteleien noch mehr Dynamik in die Geschichte bringt.
Bemerkenswert ist, dass das Comic gegen Ende der 30er Jahre spielt und somit ein herrlich nostalgisches Setting für eine ungewöhnliche Erzählung bietet. Außerdem taucht das Pin Up Modell aus den 50er Jahren schlechthin auf: die wundervolle Betty Page.
Die Zeichnungen von Stevens, der leider viel zu früh starb, sind überragend und die Neu-Kolorierung durch Laura Martin lässt den vergleichsweise alten Comic völlig frisch erstrahlen. Zum Vergleich hier mal die alte und die neue Kolorierung:
Die Geschichte selbst teilt sich in eine Originstory mit den ersten Geplänkeln und ein weiteres Abenteuer, das in New York spielt.
Leider, muss man sagen, gibt es nicht mehr Stoff vom Rocketeer, denn speziell die letzte Story weiß vollständig zu überzeugen und arbeitet, nach der Einführung der Charaktere, mit seinem Figurenensemble. Immerhin gab es eine, mir leider noch unbekannte, Disneyverfilmung von 1991, die zumindest einen vielversprechenden Eindruck erweckt.
Wer verrückte Geschichten mag, etwas für die nostalgisch verklärte Zeit des 30er Jahre Hollywoodkinos übrig hat und dem in den 50er Jahren vorherrschenden Frauenideal nicht abgeneigt ist, sollte hier definitiv zugreifen.
Anfänglich hatte ich noch meine Bedenken bezüglich der deutschen Ausgabe und wollte zum englischen Original greifen. Die Aufmachung (großformatiges A4 Hardcover), sowie das wirklich großartige Nachwort mit viel Hintergrundinformationen und die sehr gelungene Übersetzung, haben mich dann doch nicht länger zögern lassen.
Ein buntes Abenteuer voller grandioser Bilder, Sexappeal, Nazispionen und Jahrmarktfreaks. Ich habe es sehr genossen und bin froh, dass dieses Werk überhaupt auf dem deutschen Comicmarkt erschienen ist.
29,80€ für 160 Seiten sind hier nicht falsch investiert.
Wer sich nicht sicher ist, sollte sich diese Leseprobe ansehen.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Steam Noir - Das Kupferherz (Cross Cult 2011)

Mit großen Erwartungen bin ich an diese Eigenproduktion aus dem Hause Cross Cult gegangen. Normalerweise vertreibt man großartige Lizenzcomics aus den USA oder Frankreich, deshalb ist es umso begrüßenswerter, dass man den überschaubaren Markt an deutschen Comicproduktionen um dieses Werk erweitert. Steam Noir bewegt sich unter anderem im Subgenre des Steam Punk. Das ist ein Setting, bei dem z.B. die Zeit des viktorianischen Londons als Ausgangspunkt genommen wird, um sie mit vielen Anachronismen zu verbinden. Man befindet sich also inmitten oder in den Ausläufern der Industriellen Revolution, wobei jedoch alle technischen Gerätschaften mit Dampf statt Elektrizität betrieben werden. Alternativ gibt es auch noch den Ableger "Diesel Punk" bei dem eben Dieselmotoren an die Stelle von Dampfmaschinen treten. Nun, das alleine wäre höchstens für Ästheten besonderen Types ein Grund, in einer solchen Umgebung Geschichten zu erzählen. Die sich aus der Technisierung und den Problemen der Industrialiserung ergebenden Implikationen bilden jedoch das konzeptionelle Fundament für Konflikte, Tragödien und ideengeschichtliche Überlegungen, die sozusagen den "Punk" der dystopischen Welt des Cyber Punks entleihen.
Kurz: Steam Punk bietet auf der einen Seite die Möglichkeit, verkopfte, in Geschichten eingebettete, manchmal revolutionäre, auf jeden Fall aber relevante Gedanken zu transportieren oder eben eine seichte, nostalgische, romantisierte und vielleicht auch naive Fantasiewelt zu erleben. Beide Ansätze miteinander zu verbinden, schaffen die wenigsten Kreativen und ich war gespannt, ob es dem Autoren Benjamin Schreuder gelingen würde. Ich nahm das große Hardcoverbuch, empfand den grafischen Stil von Felix Mertikat sofort als gelungen und versuchte, in die Erzählung einzutauchen.
Anfangs hatte ich überraschenderweise große Probleme. Mir missfielen die Letterboxen (passten nicht so recht in die Bildkomposition, weil zu aufdringlich), der Einstieg (etwas holprig), die Namen der handelnden Personen (unglaubwürdig und irgendwie ausgedacht) und ich war über weite Strecken des Comics unglücklich mit dem Resultat. Der Funke wollte nicht übersprungen, die Dialoge wirkten wenig organisch, als würden die Personen aneinander vorbeireden. Nachdem ich das Comicbuch beendet hatte, habe ich es ein paar Tage liegen lassen und später noch einmal zur Hand genommen.
Worum geht es? Heinrich Lerchenwald ist ein sonderbarer Mensch, der sich mit einem Dampfmaschinenandroiden und einer gewissen Frau D. auf der Spur nach Geisterwesen befindet, detektivische Arbeit leistet und dabei in den Konflikt mit dem Kalendarischen Orden kommt. Man wird direkt ins kalte Wasser der Handlung geworfen und bekommt Erhellendes, wenn, dann nur sehr spärlich in Rückblenden erzählt. Im Nachhinein ein ausgezeichneter narrativer Schritt, der zwar am Ende des Bandes mehr Fragen als Antworten aufwirft, jedoch auch den Beginn einer hervorragenden Serie markiert, die sehr viel Potenzial bietet. Ja, das Comicbuch ist großartig!
Wie kam der Sinneswandel? Auf "Steam Noir" muss man sich einstellen und sollte keine in eine bestimmte Richtung gelenkte Erwartung haben. Natürlich war meine Haltung nach dem Vorgängerwerk der beiden "Jakob" (ebenfalls bei Cross Cult erschienen) sehr stark beeinflusst und ich hatte mir die Geschichte ganz anders vorgestellt. Der Beginn erscheint etwas holprig, aber die Geschichte nimmt schon sehr bald an Fahrt auf, ohne in überbordender Action zu enden, sondern viele ruhige Momente zuzulassen. Geht man richtig an das Comic ran, sieht man hinter den Vorhang und Dinge, die einen vormals gestört haben, machen Sinn und unstreichen den phantastischen Charakter des Werkes.
Wir lernen die Mythen einer Welt, die sich auf Schollen und Ebenen erstreckt, kennen, aber sind ständig darauf angewiesen, dass die notwendigen Hinweise in der Handlung gelegt werden, um das Konzept der Welt zu verstehen.
Nach 56-seitiger Comicunterhaltung findet man noch kleinere Texte zu bestimmten Orten, Bünden oder Personen, die wichtig sind. Durch diese Hintergrundinformationen wird die Handlungswelt viel dreidimensionaler und erhält eben eine deutlich ausgefeiltere Tiefe. Vielleicht konnte ich erst durch dieses Ausgangswissen den Band im zweiten Rutsch so viel mehr genießen, vielleicht war ich aber auch einfach nur in einer falschen Stimmung. Festzuhalten bleibt, dass er nicht kurzweilig ist, sondern bei neuer Betrachtung auch neue Facette und Blickwinkel eröffnet.
Jedenfalls schafft es "Steam Noir", Elemente einer Sir Arthur Conan Doyle Geschichte mit mysteriösen, übernatürlichen Fantasyanleihen zu verbinden. Die Geheimnisse werden sehr klug aufgebaut, sodass beim Leser schnell eine Neugier auf die rätselhaften Zusammenhänge geweckt wird. Wir erleben sehr ruhige Begegnungen, die nachdenklich stimmen und zum Innehalten anregen, aber auch handfeste Actionszenen. Im ersten Band passiert noch gar nicht so wahnsinnig viel. Grade die ruhigen Momente sind behutsam eingeflochten, wirken nicht aufgesetzt, sondern stimmungsvoll. Wie bereits erwähnt, wenig wird erklärt, man fragt sich, was es mit den verschiedenen kauzigen Charakteren auf sich hat, wie die Gesellschaft eigentlich zusammenlebt und nicht zuletzt die Technisierung funktioniert - was es gibt, was nicht und warum das der Fall ist.
All diese Fragen müssen beantwortet werden, später oder auch nicht. Denn durch die flüssige und spannende Handlung sucht man sich selbst Erklärungen und Hypothesen, wie diese fremde Welt zusammenhängt und lebt. 
Viele Details finden sich in den einzelnen Panels und man wird automatisch dazu angeregt, selbstständig über Zusammenhänge zu reflektieren. Felix Mertikat ist jedenfalls ein unglaublich talentierter Zeichner, der merklich keine Schwächen in seiner Arbeit hat. Ihn zeichnet ein sehr geschmeidiger, ausdrucksstarker und übersichtlicher Stil aus, der durch eine bisweilen düstere Kolorierung perfekt zur Handlung passt. Die technischen Gerätschaften sind fantasievoll, aber trotzdem realistisch und durchdacht, Personen und Gesichtszüge sind hervorragend getroffen, genauso wie die erfrischende Panelaufteilung und -gestaltung selbst. Geschichte und Zeichnungen wirken wie aus einem Guss und es ist eigentlich sehr schade, dass schon jetzt feststeht, dass Benjamin Schreuder für den zweiten Band schon nicht mehr zur Verfügung steht. Denn im ersten Band wird nur ein Bruchteil dessen erzählt, was diese eigenwillige und bizarre Welt zu bieten haben könnte. Kinder mit mechanischen Prothesen treten auf, ein scheinbar wohltätiger Doktor wird eingeführt und die Rolle des Roboters Hirschmann sowie der Orden und Bünde ist völlig unklar.
"Steam Noir" ist kein Steam Punk des Steam Punks wegen. Hier kommen keine Luftschiffe oder Gerätschaften vor, weil das eben zum Steam Punk gehört, sondern man merkt, dass Steam-Punk-Elemente auf sehr durchdachte Weise, der Handlung dienlich, eingefügt werden und man im Grunde eine fantastische Erzählung vor sich hat.
Für mich ist es eines der deutschen Comic-Highlights 2011. "Steam Noir" ist vollkommen eigenständig, hat eine ganz spezielle Mentalität und gehört sicherlich auch noch für lange Zeit zu den außergewöhnlichsten Comicbüchern made in Germany. Wenn dieses hohe Niveau über die Folgebände beibehalten werden kann, was sicherlich schwierig wird, hat die Reihe gute Chancen, zumindest für mich einen Klassikerstatus zu erreichen. Einen so grandiosen Zeichenstil mit einer derart intelligent erzählten und entworfenen Handlung hat man selten gesehen.
Die wunderschöne Aufmachung der Cross-Cult-Edition ist deshalb auch mehr als gerechtfertigt und passend. Vielen Dank für dieses Kleinod und ich hoffe inständig, dass es ein kommerzieller Erfolg wird und wir diese Serie noch über mehrere Bände genießen können.
Der Mut solche ambitionierten Projekte zu verwirklichen muss einfach belohnt werden, vor allem dann, wenn sie auf diesem hohen Niveau sind. Zum Comic selbst gibt es noch eine eigene Homepage und es ist mittlerweile auch als eBook u.a. bei iTunes erschienen.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Im Sommer 2012 kommt das Watchmen Prequel "Before Watchmen"

Gestern Abend wurde bereits spekuliert was DC als nächstes großes Ding ankündigen wird. Heute platzt die Bombe!
Es ist ein Prequel zu WATCHMEN! Diesen Sommer und zwar 7 Miniserien, die alle Charaktere beleuchten werden:

RORSCHACH (4 issues) – Writer: Brian Azzarello. Artist: Lee Bermejo
MINUTEMEN (6 issues) – Writer/Artist: Darwyn Cooke
COMEDIAN (6 issues) – Writer: Brian Azzarello. Artist: J.G. Jones
DR. MANHATTAN (4 issues) – Writer: J. Michael Straczynski. Artist: Adam Hughes
NITE OWL (4 issues) – Writer: J. Michael Straczynski. Artists: Andy and Joe Kubert
OZYMANDIAS (6 issues) – Writer: Len Wein. Artist: Jae Lee
SILK SPECTRE (4 issues) – Writer: Darwyn Cooke. Artist: Amanda Conner


Hier gibt es außerdem bereits ein Interview mit JMS über Dr. Manhatten.
MEINUNG:
Was ist nun von dieser Entwicklung zu halten?
Irgendwie war es klar, dass früher oder später das Franchise noch einmal verwurstet wird. Ähnlich wie bei Star Wars besteht begründeter Verdacht, dass die Prequels schlecht werden.
Es gibt jedoch mehrere Gründe, die dafür sprechen, dass dies nicht der Fall sein muss.
Zum ersten hat man tatsächlich brauchbare Kreativteams zusammengestellt. JMS und Azzarello sind die richtigen Leuten für diesen Job und auch vom Artwork her stimmt es. Ich meine, Azzarello schreibt Rorschach, das kann eigentlich nur gut werden.
Außerdem werden keine Sequels publiziert. Das zeigt, es geht in die richtige Richtung. Man versucht Respekt vor dem Kunstwerk Moores zu wahren und daher beschränkt man sich auf die Vergangenheit, so dass es im Prinzip keinerlei Konsequenz auf WATCHMEN hat. Außerdem ist der Rahmen, in dem sich die Autoren beschränken können relativ begrenzt. Natürlich gibt es dunkle Ecken in der Geschichte die ausgeleuchtet werden können, aber so viel falsch kann man hier sicherlich nicht machen.
Dass auch eine Miniserie der Minutemen dabei ist, großartig...die Piraten Backup Story - geschenkt. Fand ich persönlich im Original schon nicht so extrem spannend!
Aber ganz egal wie gut oder schlecht dieses große Sommerevent wird, wer Furcht davor hat, dass Watchmen Schaden nimmt, der kann ja immer noch komplett auf die Hefte verzichten und spart damit Geld. So wird Watchmen immer so sein, wie es in den 80er war. Win-Win für alle...naja...vielleicht nicht für Moore, aber er hatte ja seine Chancen.

Axe Cop - Kinderdadaismus im Comic

Weltraum-Vampir-Ninjas .... mit Wurfsternen ... in Mondform .... die explodieren! Die Fähigkeit, den Mond in einen Superhelden verwandeln zu können, der alle bösen Typen auf ihm selbst umbringt.
Ein Polizist mit einer Axt und ein Flötenmann, der zu einem Dino wird. Die ultimative Waffe: 2 Pistolenkugeln, die aufeinander gefeuert werden, sich in eine Superkugel verwandeln und mit einem Vampirzahn verbessert werden (der später wieder abgenommen und mit Superkleber in das Gebiss geklebt werden kann).
Das hört sich sehr wirr, bescheuert und zusammenhangslos an, ist aber ungaublich spaßig und hört auf den Namen: AXE COP.
Weihnachten 2009 haben die Brüder Malachia Nicolle (5) und Ethan Nicolle (29) eine in der Comicwelt so ziemlich einzigartige Idee verwirklicht: ein kleiner Junge darf all seine kindlich-naiven und absurden Ideen für einen Superhelden losbrabbeln und jemand nimmt die Handlungsfäden auf, um sie auf Papier zu bringen.
Nun mag man denken, dass dabei kein lesbares Ergebnis herauskommen kann und schon gar kein guter Comic. Bei AXE COP ist das jedoch der Fall und die One-Pager dürften bei so einigen Leuten Freudentränen und Bauchkrämpfe hervorrufen.
Ich habe mich jedenfalls prächtig amüsiert.
Als Freund von seltsamen Ideen hat zuerst der Tyranno Wexter meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auf dem Saurier reitet AXE COP. Wexter kann Feuer speien (natürlich) und hat 2 Maschinengewehre als Arme. Ach ja, und er hat natürlich eine Copbrille auf und kann fliegen. Einfach irrwitzig und auf seine absurde Art einfach brilliant.
Was als kostenloser Webcomic auf der Homepage begann, ist mittlerweile auch in Printform bei Dark Horse Comics erschienen und hat es seit ein paar Wochen sogar zu einer Heftserie gebracht. Löblicherweise kann man sich immer noch alle Episoden der schrägen Reihe ansehen und ich rate auch jedem, dies, falls noch nicht geschehen, schleunigst nachzuholen.
Auch wenn der Comicmarkt sehr innovativ sein kann, es kommt doch keine noch so ausgefallene Geschichte an die Fantasie eines Kindes heran und deshalb sind auf der Handvoll Panels in einer Folge unglaublich viele Ideen verbraten. Auch wenn diese in den wenigsten Fällen logische Zusammenhänge haben, schafft der große Bruder es trotzdem, den narrativen Faden der unbedarft losgeplapperten Fetzen durch die Stories zu ziehen und so etwas wie eine Handlung entstehen zu lassen.
Sehenswert sind außerdem die "Beweise", wie der große Bruder dem kleinen über Skype Fragen stellt und dieser ihm den Plot für die Geschichte gedankenverloren und nach seinen ganz eigenen Vorstellungen vorträgt.
Die Zeichnungen sind größtenteils in schwarz/weiß, sehen gut aus und sind zweckdienlich. In den Geschichten entdeckt man auch immer wieder selbst seine eigene Kindheit wieder und wie man früher auf ein Blatt Papier völlig sinnlose Sachen gekritzelt hat. Außerdem entdeckt man viele Wünsche des Kleinen in den Geschichten. Zum Beispiel dürfen die jungen Vampirninjas vom Mond nachts aufbleiben, damit sie bad guys verprügeln können, weil die ja nachts schlafen.
Wem das Lesen zu anstrengend ist, der kann sich die ersten 3 Episoden aufwendig animiert auch hierhier und hier ansehen. Außerdem gibt es eine "Realverfilmung" der ersten Episode.
Wer außerdem noch wissen möchte, was es mit Uni-Baby, dem Schneeplaneten oder Ralph Wrinkles dem sprechenden Hund auf sich hat, der sollte sich die Strips ansehen und am besten auch noch das Trade besorgen. Solche ambitionierten und wirklich tollen Projekte muss man einfach unterstützen. AXE COP ist erfrischend, leichtfüßig, unschuldig, brutal und vor allem extrem lustig.

Romantically Apocalyptic - ein kostenloses Webcomic

Vor Kurzem habe ich ja bereits auf das abgedrehte Webcomic "Axe Cop" hingewiesen, der mittlerweile auch als Printvariante gut funktioniert. Damit man auch weiterhin nach Lust und Laune und ganz ohne Monetos tolle Medien konsumieren kann, wieder eine Empfehlung aus dieser Ecke. Heute wird es allerdings ein wenig anders. Als Comicstrip kann man dieses visuelle Kleinod zwar auch einstufen, trotzdem unterscheidet sich Romantically Apocalyptic grundsätzlich vom axtschwingenden Schnurrbartbullen.
Wir befinden uns in einer postapokalyptischen Einöde. Es gibt keinerlei Anzeichen von Lebensformen....nur die skurrilen Charaktere namens Captain, Sniper und Pilot sind noch unterwegs. In Trenchcoats und Gasmasken gehüllt, stolpern sie durch eine zerstörte Welt. Und Gasmasken als solche sind ja bekanntlich per se schon ziemlich cool und man liegt mit ihnen egal in welcher graphischen Form immer goldrichtig! Ein Comic über einen langweiligen Hasen würde doch niemand lesen, hat das Vieh aber eine Gasmaske auf, sieht das schon ganz anders aus! Wenn dann auch noch Tentakeln mit ins Spiel kommen, hast du zumindest mich wie einen Fisch am Haken!
Aber zurück zum Thema... Einöde, Stadtruinen und Trümmer, so weit das Auge reicht. Nun möchte man denken, dass die Unternehmung eine ziemlich trostlose und wenig humoristische sein könnte. Zum Glück ist der Captain allerdings dem Wahnsinn anheim gefallen und zwar einer durchaus sympathischen Variante. So hält er zum Beispiel Palaver mit den letzten zivilisatorischen Überresten in Gebäuderuinen und bringt sein Gefolge durch seine naive und wirklichkeitsferne Interaktion mit der Umwelt in Schwierigkeiten. Der geistreiche Humor erzwingt immer wieder Lachanfälle über die Dialoge und absurden Ideen, die in dieses erfrischende Projekt einfließen.
Sind die ersten "Ausgaben" noch "Einzelsketche", wird schon bald eine komplexere Geschichte, die über mehrere Episoden verläuft, erzählt. Trotzdem gibt es immer wieder die hirnrissigsten Einfälle und deren Konsequenzen zu belachen. Man muss sich nur drauf einlassen.
Bemerkenswert ist auch die graphische Umsetzung. Romantically Apocalyptic ist kein herkömmlicher Comic und schon gar nicht gezeichnet. Vielmehr sind die Charaktere abfotografiert und anschließend in digitalisierter Form bearbeitet. Zu dieser Ästhetik kann man stehen, wie man will, und überwiegend ist mir dieser überkontrastierte Hochglanzlook auch zuwider, aber im Kontext dieser Geschichte funktioniert der Stil einfach unglaublich gut. Klar, es dauert etwas, bis man damit warm wird, aber beeindruckend ist diese ungewöhnliche Umsetzung auf jeden Fall. Man fragt sich nicht nur einmal, was denn dort jetzt am Computer nachgearbeitert und was mit echten Menschen verwirklicht wurde.
Veranwortlich für den Endzeitklamauk ist der gebürtige Russe Vitaly Alexius, der sich im Bereich digitaler Bildgestaltung und Kunst einen Namen gemacht hat. Er entwirft unter anderem CD- und Buchcover. Einen kleinen Auszug seiner weiteren Arbeiten kann man auf dieser Webseite bewundern. Man merkt, dass es sein Baby ist und nachdem es eine Zeit lang ziemlich still um Romantically Apocalyptic war, geht es mittlerweile in einer hohen Frequenz weiter. Man freut sich wieder über regelmäßig erscheindende Episoden und den bekloppt-bescheuerten Kapitän im Wehrmachtsoutfit.
Ziemlich cool ist auch, dass das Webcomic in mehreren Sprachen auf den Leser und seine Bedürfnisse eingeht. Ein Spektrum von 40 Sprachen wird abgedeckt, auch wenn nicht alle 67 (Stand heute) Episoden übersetzt wurden. Wer dem Teil mal eine Chance geben möchte, und was hat man schon bei einem kostenlosen Webcomic zu riskieren, das ist keine Frage von rational choice, der gleite auf den Internetwellen gen Rom.ac und durchstöbere das Archiv nach den ersten Episoden.
Wem der Kram gefällt und wer sich gern noch die Socialmediaüberdosis geben möchte, der kann den Figuren aus dem Comic auch auf den Twitterseiten des CaptainsSnipersPiloten und Engineers folgen. Dort wird ebenfalls immer wieder zotiges Geplapper gebracht und tiefer in die Gedankenwelt der Spinner eingeführt.
Ein in Eigenproduktion entstandendes Heft gibt es zwar auch, allerdings haut einem das mit dicken 60$ ein gewaltiges Loch in die Geldbörse. Aber wer drauf steht? Sicherlich eine gute Sache.
Ich find's geil, ziemlich sogar. Ein Spaß für die ganze Familie!