Sonntag, 5. Februar 2012

American Vampire (Stephen King, Scott Snyder, Rafael Albuquerque)

Wir alle sind etwas müde von den romantischen und zartbesaiteten Vampiren, die zusammen mit Werwölfen durch Wälder rennen und kleine Mädchen zum Kreischen bringen.
Umso schöner ist es, dass eine ambitionierte Comicserie namenhafter Autoren es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Vampiren wieder das zurück zu geben, was ihnen derzeit in den Lichtspielhäusern genommen wurde: das Furchteinflößende.
Der erste Sammelband umfasst 5 Hefte der Serie auf 200 Seiten in einem großartig aufgemachten Hardcover. In jedem Heft teilen sich Scott Snyder und Stephen King, der hier sein Comicdebut gibt, die Seiten und erzählen in unterschiedlichen Zeitebenen eine Geschichte die von 1880 bis ins Jahr 1925 reicht. Auch wenn Albuquerque beide Autoren zeichnet, wird durch die unterschiedlichen Kolorierungen beim jeweiligen Schreiber der Effekt erzeugt, man hätte es mit 2 verschiedenen Zeichnern zu tun. Bei Snyders Part gibt es einen eher sterilen und klaren Stil, bei King wirken die Zeichnungen dagegen malerischer.
Inhaltlich geht es um Vampire, die aus dem alten Europa in die neue Welt aufbrachen und diese sukzessive unterwandert haben. Durch einen dummen Zufall erschaffen diese jedoch eine neue Abart von Vampiren, die in ihren Eigenschaften stark von den herkömmlichen Blutsaugern abweichen: die amerikanischen Vampire.
American Vampire ist episch, sexy, western, blutrünstig und sehr künstlerisch.
Mehr muss über den Inhalt auch gar nicht verraten werden. Zudem bietet der Band eine relativ abgeschlossenen Handlung, die mit einigen Twists und Plotpoints garniert ist, so dass durchaus Spannung aufkommt.
Fällt es anfänglich noch schwer, dem Geschehen zu folgen und bleibt die Geschichte noch relativ zahm und langatmig, gewinnt sie im Verlauf des Bandes stetig an Fahrt und Spannung.
Leider kommen die einzelnen Personen etwas kurz. Eine klare Hauptfigur gibt es nicht, dies ist jedoch auch dadurch bedingt, dass die Handlung auf unterschiedliche Erzählstränge verteilt ist.
Insgesamt ist es aber eine absolut runde Sache kurzweiliger Unterhaltung. Dank des großartigen Artworks wird der Band sicher einer der wenigen sein, zu dem man noch ab und zu wieder greifen wird.
Da wir erst am Anfang einer Reihe stehen, bin ich mir sicher, dass das Kreativteam noch einiges in petto hat und wir uns auf weitere spannende Geschichten im jungen Amerika freuen können.
Erschienen ist die Serie bei Vertigo, dem Imprint für Erwachsene bei DC. Wer auf eine deutsche Übersetzung verzichten kann, sollte definitiv zu der momentan sehr günstigen englischen Ausgabe greifen. Hier sind nämlich noch einige Seiten an Skizzen, Variantcovern und Skriptauszügen als Bonus dabei.
Die deutsche Ausgabe von Panini erschien Ende Oktober im Hardcover und wird am 23. November als broschiertes Trade noch mal aufgelegt.
Definitiv was zum ins Regal stellen und toll finden.

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