Sonntag, 10. März 2013

Independent Sonntag: Revival

Und los.
Es gewittert wieder!
Jeden Sonntag sollen in den kommenden Wochen lesenswerte Comics abseits der beiden großen Verlage herausgepickt werden. Denn immer wieder tauchen grandiose Serien auf, die wenig Beachtung finden und schnell in der Flut an neuen Veröffentlichungen untergehen. Hier soll ein kleiner Leuchtturm entstehen, der eine Hilfe sein soll, die Kleinode zu entdecken! Und mal ehrlich, nie war es leichter an solche Rohdiamanten zu gelangen, als dieser Tage. Mit beispielsweise Comixologys neu gestartetem Submit, wird es unabhängigen Künstler noch einfacher gemacht ein Publikum in jeder Ecke der Welt zu erreichen und junge Verlage wie Monkey Brain setzen ebenfalls auf den leicht zugänglichen digitalen Vertrieb von unbekannten Comics.


Den Anfang macht jedoch ein Comic, das bei dem wohl größten der kleinen Verlage, Image Comics, erscheint. Die Rede ist von Revival. Eine abgedrehte Geschichte, die von Tim Seeley geschrieben und Mike Norton großartig visuell umgesetzt wird.
Schon an der Covergestaltung zur #1 wird deutlich, wohin die Reise in Revival geht. Eine dunkelhaarige Dame steht vor einer Scheune im Schnee. Sie trägt einen Norweger und hält eine blutbeschmierte Sense in der Hand.
Was ein bisschen so wirkt, wie das Videokassettencover eines 80er Jahre Slasherfilms, liegt gar nicht mal so weit von diesem anfänglichen Eindruck entfernt. Eine US-amerikanische Kleinstadt, in der jeder jeden kennt, ist der Schauplatz dieser übernatürlichen Geschichte, die sowohl typische Horrorelemente von B-Movies aufweist, als auch eine intelligente Variation des bekannten Zombiemotivs.
Denn in Rothschild Wisconsin geschehen seltsame Dinge. Zebrapferde tauchen auf, anatomisch seltsame anmutende Gestalten durchstreifen die örtlichen Wälder und die Toten bleiben nicht tot.
Wer jetzt aber denkt, dass es sich um stinknormale nach Gehirn geifernde Zombies handelt, der wird angenehm überrascht. Denn obwohl einige "Reviver" zu gestörten Killern werden, ergeht es anderen doch viel entspannter. Warum das so ist und was die seltsam Gestalten in den Wäldern suchen sind einige Geheimnisse, die diese eigentlich kleine Geschichte so reizvoll und spannend machen.
Sehr oft erinnert "Revival" nämmlich an die alte Twilight Zone Serie aus den 50er Jahren. 
Im Kern geht es um eine alleinerziehende Mutter, die ihrem Vater mehr beweisen will, als sie es sich selbst jemals eingestehende würde und seltsam kauzige Charaktere, die man nie wirklich 100% einschätzen kann. Daher ist "Revival" ständig unberechenbar, man weiß nie, was mit wem zusammenhängt und wer jetzt eigentlich noch unter den lebenden Lebenden weilt.
Dazu kommt natürlich das wunderbare Kleinstadtsetting, das sich durch seine Einfachheit, aber auch die manifeste Fremdenfeindlichkeit und das allgemeine Misstrauen, das sich die Einwohner untereinander entegegen bringen.
Viel mehr möchte ich von der eigentlichen Handlung gar nicht verraten, denn schon in der ersten Ausgabe gibt es eine nette Wendung, die man am besten ungespoilert mitnimmt.
Das Comicbuch ist nichts für zartbesaitete Leser, da es doch bisweile recht blutig werden kann, aber die graphische Gewalt wird zum Glück nie als Selbstzweck eingesetzt. Mike Norton hat einen unglaublich tollen Stil, der perfekt zur Serie passt. Durch die klaren Panelaufteilungen und die sauberen Zeichnungen, verliert man nie den Faden bei der mitunter doch sehr turbulenten Handlung, die auf mehrere Ebenen spielt. Dass er außerdem wirklich tolle Zeichnungen abliefert, macht "Revival" zu noch einem viel größeren Genuss.
Was mir besonders gefällt, ist nicht nur die Haupthandlung, die sich erst langsam, nach und nach entspinnt, sondern der kreative Umgang mit dem Zombiemotiv. Wie schon bei der Zombiepersiflage "Als die Zombies die Welt auffraßen" werden hier nämlichen Fragen über die bereits bekannten hinaus gestellt. Es ist kein wirklicher Endzeitcomic, bei dem das Überleben im Vordergrund steht, sondern viel mehr der Umgang mit den Toten.
Ich bin gespannt, wie die gesamte Geschichte dann irgendwann aufgelöst wird und welche Wendungen die Handlung noch nehmen wird. Denn eins steht fest, sobald die nächste Ausgabe erscheint, möchte man sie lesen, um genau das zu wissen.
Mittlerweile ist auch schon das erste Tradepaperback erschienen, in dem für wirklich sehr wenig Geld die ersten 6 Hefte angeboten werden. Es empfiehlt sich auch "Revival" in dieser Form zu konsumieren, da die Hanldung stark auf die jeweiligen Hefte aufbaut, so dass man sie als Mounthly mehr als nur einmal lesen muss, um auch am Ball zu bleiben. Allerdings entdeckt man mit jedem Durchgang neue kleine Ideen, die Seeley hier eingebaut hat.
Wer schon Spaß an Morning Glories, Girls von den Luna Brothers oder alten Horrofilmen hatte, dem wird "Revival" sicherlich gefallen.
Beide Daumen hoch.

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