Dienstag, 12. März 2013

Über das Spoilerproblem und den Umgang mit seinen Mitmenschen

Jeder liest gerne Geschichten, jeder liest gerne gute Geschichten und jeder lässt sich gern von unerwarteten Wendungen überraschen.
Grade im Comic sind Cliffhanger und schockierende Wendungen ein Hauptbestandteil des Mediums und stellen unter anderem einen Reiz dar, ein Comic zu lesen.
Mit der fortschreitenden Entwicklung der Kommunikationsmittel fällt es zunehmend schwerer sich davor zu schützen, dass irgendwer brisante Wendungen schon vorher ausplaudert.
Aber nicht nur die Comics haben diese Probleme, auch beim Konsum von Filmen und TV Serien tappt man regelmäßig in Tretminen und verdirbt sich somit den Sehspaß.
Dabei sind Leute die spoilern ganz unterschiedlich.
Es gibt die völligen Idioten, die aus dem Wissen, dass man jemand anderem grade etwas verdorben hat, irgendeinen perfiden Spaß ziehen. 
Es gibt die Egoisten, die es für selbstverständlich halten, dass man über alles reden kann und jeder, der sich mit modernen Kommunikationsmitteln durch die Welt bewegt selbst Schuld daran ist, wenn er gespoilert wird. Sie setzen ihr Recht, über etwas reden zu wollen über die Rücksichtnahme auf andere. Man hört dann häufig, dass man ja selbst gar kein Problem damit habe, wenn man selbst gespoilert wird. Denn der Weg ist ja das Ziel.
Natürlich kann man das so sehen. Das ist eine vollkommen legitime Auffassung, aber zu glauben, dass jeder so denkt, ist schon ziemlich schräg. 
Es ist ein bisschen so, wie ein Raucher, der seinen Qualm allen anderen zumutet und somit sein eigenes Bedürnis die Lunge zu teeren, über die Gesundheit aller anderen stellt. Denn er hat schließlich kein Problem damit, wenn andere neben ihm rauchen.
Es gibt aber auch die Leute, die aus Versehen Enden ausplaudern und sich danach entschuldigen.
Leider ist der letztere Typus sehr selten geworden und im Zeitalter der Ellenbogengesellschaft, in der man eher auf sein eigenes Wohl bedacht ist, als das man Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt, kann man so etwas wohl nicht mehr erwarten.

Bei den Comics ist das Problem allerdings noch viel komplexer. Durch die Monatsankündigungen der Verlage werden schon einige Richtungen vorgegeben. 
Allerdings achten die Verlage sehr genau darauf, dass keine Details oder ganze Wendungen bekannt werden. Da werden auch mal alternative oder geschwärzte Cover präsentiert, um den Lesern nicht den ganzen Lesespaß zu nehmen. Denn auch Verlage sehen natürlich bei den Lesern das Bedürfnis überrascht zu werden.

Sollte man deshalb überhaupt nicht über den Inhalt reden und über welche Wege ist es besonders problematisch?
Wir alle wissen, der Mittwoch ist der Tag, an dem die Comics erscheinen. Zumindest in den USA. Nun hat man in Deutschland natürlich die Möglichkeit in Shops die US Hefte zu beziehen, allerdings schaffen die es in den seltensten Fällen sie sofort da zu haben. Wer Abos amerikanischer Verlage hat, der holt sie sich meistens zum Wochenende bzw. zwei oder einmal im Monat.
Wenn also am Mittwoch ein Comic erscheint, ist es zumindest für die Printleser in Deutschland sehr unwahrscheinlich bereits über eine Geschichte bescheid zu wissen.
Ich selbst bin komplett auf den digitalen Kauf von Comics umgestiegen und habe somit schon sehr früh mittwochs Zugriff auf die Hefte von DC. Im Laufe des Tages, oft gegen frühen Nachmittag, ziehen dann alle anderen Verlage wie Image oder Marvel nach und publizieren ihre Hefte digital.
Nun hat man, wenn man nicht gerade nur eine sehr kleine Auswahl an wöchentlichen Comics liest, eine ganze Woche Stoff, um seine Geschichten zu lesen. 
Umso ärgerlicher wird es, wenn etwas wirklich Großes angekündigt ist und man, weil man ein sehr großer Fan der Serie ist, noch einmal die gesamten Ausgaben durchgehen will, um den vollen Payoff zu erhalten. Schreiber wie Geoff Johns oder Grant Morrison sind bekannt dafür, sehr lange Geschichten zu erzählen, die oft Bezug zu Ausgangspunkten nehmen.
Und dann liest du in deinen Leisten verschiedener Netzwerke genau das, was du bis dato erfolgreich versucht hast die ganze Zeit zu vermeiden und die gesamte Spannung fällt ab und weicht dem Zorn darüber, das dir grade etwas, das dir persönlich sehr am Herzen lag, vollkommen zunichte gemacht wird. 
Natürlich wäre das alles nicht halb so schlimm, wenn man wenigstens ein 'sorry' hören würde, sondern stattdessen noch arschige Kommentare alá "selbst Schuld, was raus ist, ist raus" lesen muss.
Klar, ich war so dumm und habe zwei Tage gewartet, weil ich mir die volle Dröhnung geben wollte. Im Nachhinein war ich wohl wirklich sehr naiv zu denken, dass Respekt vor der Einstellung anderer und Rücksichtnahme noch eine Rolle spielen. 
Meine Konsequenz ist, dass ich Leute, die Ereignisse ausplaudern radikal aus meinen Informationflüssen verbannt habe. Außerdem versuche ich nun die Serien, die mir sehr am Herzen liegen so schnell wie möglich zu lesen und bestimmte Netzwerke für diese Zeit zu meiden.

Was mich rückblickend am meisten enttäuscht, ist gar nicht mal, dass man gespoilert wird. Es sind viel mehr die egoistischen Einstellungen, die Leute von sich abstrahieren und für allgemeingültig erklären. Natürlich kann man sich über Ergebnisse auslassen, dafür wurde Dinge wie Spoilertags etc. erfunden, niemand will hier den Drang sich über ein besonders polarisierendes Ereignis auszutauschen unterbinden. Große Webseiten tun das regelmäßig, um viele Klickzahlen zu bekommen. In Blogs geht das z.B. auch sehr gut. Dann steht es aber jedem frei zu entscheiden, ob er diese Information bekommen möchte oder nicht. Aber in feste Nachrichtenflüsse solche Infos zu setzen, obwohl einen die Serie vielleicht gar nicht mal interessiert und dann überhaupt nicht nachvollziehen können, warum andere darüber verärgert sind?

Daher mein Appell und das mein ich gar nicht mal nur in Bezug auf Comics: nehmt bitte mehr Rücksicht auf eure Mitmenschen! Das, was für den einen selbstverständlich ist, muss es für den anderen noch lange nicht sein. Klar, Verständnis und 'nett sein' sind grade im Zeitalter von Shitstorms und Rage eine Seltenheit, aber probiert es mal aus. Vielleicht stellt ihr euch in der nächsten Raucherpause nicht genau in den Eingang eines Gebäudes, so dass jeder erst durch eine Rauchwolke gehen muss, spielt euer neues Lieblingslied nicht mit dem Telefon lautstark im Bus ab oder lasst das Mädel, das nur 2 Milchtüten in der Hand hat, an der Kasse im Supermarkt vor! 
Ich verspreche euch, dass es gar nicht weh tut und überhaupt nicht schlimm ist!

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