Montag, 8. April 2013

Trinity War und die Sache mit den Events.

Vor ein paar Wochen noch ins Blaue spekuliert, kann man jetzt mit Fakten auf das Sommerevent von DC blicken. 
Der Trinity War startet im Juli und wird, wie bereits vermutet, die Serien Justice League, Justice League Dark und Justice League of America umfassen.
Außerdem sind die Titel Pandora und Phantom Stranger  ebenfalls mit dem Titelzusatz "Trinity of Sin" am Start.
Umfassen wird die Haupthandlung sechs Hefte der drei Serien auf zwei Monate verteilt.
Wie jetzt? Gar keine limitierte, eigene Serie für das Event? Nein!
Aber, aber, dann ist das doch gar kein Event? Natürlich!
Die großen Verlage haben es uns jahrelang eingehämmert, wenn im Sommer ein neues Event ansteht, dann kaufst du diese Serie und am besten noch alle anderen Hefte (die sogenannten Tie-Ins), die ebenfalls davon betroffen sind. Unterm Strich ist das für die Verlage immer eine lukrative Angelegenheit, weil man so die Verkaufszahlen einzelner Titel etwas steigern kann.
Was ist also der Hintergrund eines Events? Natürlich, die Verkaufszahlen aufmöbeln, Veränderungen im Universum schaffen und damit einen neuen Anreiz für Leser zu bieten.


DC geht aber dieses Mal einen ganz anderen Weg. Nach dem Neustart verzichtete man im Sommer 2012 auf ein Riesenevent und lies die Autoren ihre Geschichten einfach erzählen. Ganz auf die Happenings im DCU musste man jedoch nicht verzichten, denn es gab ja kleinere Events, wie Rotworld, Night Of The Owls oder jüngst Death of the Family. Damit hat man, wie ich finde, vieles richtig gemacht. Denn die meisten Kleinevents sind völlig eigenständig in ihrer Ecke des Universums und zumindest bei den Batmangeschichten, war es nie notwendig, irgendeine andere Serie, die zwar ebenfalls ein Tie-In darstellte, zu lesen, um die Geschichte zu verstehen.
Somit hat man für den Leser eine durchaus angenehme Situation geschaffen, in der er seine großen Serien weiterverfolgen und durch die Kleinevents in anderen Serien reinschnuppern kann, um die volle Breite der Geschichte zu genießen. 
Jetzt geht man mit dem Trinity War Event einen ähnlichen Weg und lässt die drei betroffenen Serien nicht als Tie-Ins stehen, sondern erzählt kurzerhand das Event in diesen Serien. Eine vernünftigte Entscheidung allemal, denn so muss man als Leser der Justice League Comicbücher diese nicht auch noch als Tie-Ins lesen. Wieder Geld gespart und mölglicherweise mittelmäßige Tie-Ins vermieden.
Nun wurde doch aber tatsächlich gemutmaßt, dass es sich ja um gar kein eigentliches Event handele.
Mir erschließt sich allerdings immer noch nicht ganz der Hintergrund dieser Vermutung. Denn ein Event hat verschiedene definitorische Merkmale, die von Mensch zu Mensch verschiedenen sind. Zum einen sind die großen Serien davon betroffen, es wird eine mehrbändige Geschichte erzählt, die verschiedene Serien überkreuzen lässt und am Ende einen sich auf das gesamte Universum auswirkenden neuen Status Quo (der je nach Lust und Laune mal tiefer in die Comiclebenswirklichkeit einschneidet).
Dies scheint mir beim Trinity War der Fall zu sein (immerhin kündigte Johns an, dass es große Auswirkungen geben wird - das übliche Marketingblabla), weswegen ich die Frage nur affirmativ beantworten kann: natürlich ist es ein Event! Und zwar das Großevent von DC im Sommer, das sie bereits vor einem Jahr beim Free Comicbook Day angekündigt und in verschiedenen Serien angeteasert haben.
Wie kann man diese Vorgehensweise jetzt von DC doof finden? Ich habe mich versucht in die Lage zu versetzen, aus der argumentiert wird, jedoch gibt es für mich keinen validen Kritikpunkt.
Fassen wir mal die vorgebrachten Einwände zusammen:

1. Jetzt muss ich ja Serien kaufen, die ich sonst gar nicht gelesen habe.
Nun, dass ist ein Irrglauben, dem ziemlich viele Comicleser aufsitzen. Natürlich wird niemand jemals gezwungen irgendeine Serie zu lesen! Wir sind freie Menschen mit freien Entscheidungen und einem Kommunikationsmedium wie dem Internet, in dem man wirklich alles nachlesen kann. Beim Trinity War sind es, wie gesagt, drei Serien, die statt einer sechsteiligen Serie die Handlung transportieren. Es ist richtig, dass man nun diese drei Serien lesen muss. Aber wenn man die Geschichte wirklich lesen will, sprich die sechs Ausgaben der limitierten Serie gekauft hätte, dann macht es wirklich wenig Unterschied, welche Serie jetzt vorne auf dem Cover steht, denn für den Inhalt ist dies völlig irrelevant. Man kauft die selbe sechsteilige Serie, die auch in einer einzelnen Serie veröffentlicht worden wären.

2. Jetzt wird es für mich aber umständlich mit all meinen Abos.
Really? In Zeiten, in denen ich meine monatliche Comicliste mit einem Klick verwalten kann, muss ich lediglich fünf Minuten Zeit dafür aufwenden, um mich darüber zu informieren in welchen Serien das Event stattfindet (solltet ihr diesen Beitrag lesen, dann habt ihr euch diese fünf Minuten sogar gespart, herzlichen Glückwunsch!). Statt einem Klick für die einzelne Serie, macht ihr jetzt drei Klicks, wenn ihr nicht, wie ich, eh alle drei Serien eh schon im Abo habt, weil sie sehr gut geschrieben sind.

3. Jetzt kann ich aber keine Tie-Ins weglassen
Richtig, dieser Luxus kommt dadurch zustande, dass die betroffenen Serien keine Tie-Ins sind, sondern die Geschichte darstellen, die man eh vor hat zu lesen. Somit ist man um eine Entscheidung erleichtert, eigentlich kein Grund verärgert darüber zu sein.

Unterm Strich macht es DC dem Leser damit unverständlicherweise sogar viel leichter, weil man das Event eben nicht mit unzähligen Tie-Ins und einer extra Serie ausschlachtet. Dass Events sowieso immer an den Ecken ausfransen, weiß jeder und dadurch, dass jetzt alles schön konzentriert von zwei Autoren erzählt wird, lässt es zumindest sehr warhscheinlich werden, dass dies positiven Einfluss auf die Qualität des gesamten Events hat.

Denn das muss man DC tatsächlich lassen, wie sie mit ihren Events umgehen, davon können sich andere Verlage eine Scheibe abschneiden. Marvel macht kein Geheimnis daraus, dass sie vor allem das Geld des Lesers wollen. Und zwar so viel wie möglich. Durch die katastrophale Preispolitik im Print- und Digitalmarkt, aber auch mit Doubleshipping, ständigen Neu- und Rücknummerierungen und extrem vernetzten Serie, die man selten eigenständig lesen kann, ohne Inhalte anderer Hefte online nachzuschauen, gehen sie bei ihren Events genau den anderen Weg. Zwar hat man einfach durch die Vielzahl an Tie-Ins eine tolle Continuity, allerdings sind die Geschichten der Events dann doch meistens sehr schlecht. Eine große Stärke von DC war es dagegen schon seit längerer Zeit, dass die Fäden dieser Events in den Händen weniger, sehr fähiger Autoren lagen, und man somit eine wirklich schöne Eventstory genießen konnte, ohne den schlechten Beigeschmack von einfach nur des Geldes wegen rausgehauenen Tie-Ins zu haben. Und selbst wenn es mal Tie-Ins gab, so waren diese in den meisten Fällen für die Story unwichtig. Ein krasses Gegenbeispiel dafür ist hier wieder Marvel, die nach Avengers vs. X-Men noch ein bei Konsequenzenserien raushauen, um noch den letzten Leser zu melken und darin für viele andere Serien wichtige Handlungsstränge vorzutragen. 
Ich, der eher wert auf eine gute Story, denn auf ein möglichst vernetztes Universum legt, finden diesen Ansatz besonders vernünftig und er kommt mir ganz gelegen. Überhaupt gefiel mir das Konzept, die Vernetzung des New52 sich über viele Monate erst langsam und völlig natürlich entwickeln zu lassen, statt wie bei Marvel mit der Brechstange einfach auf alles rekurrieren zu lassen, damit der Comicleser, der sich in dieser Situation absurderweise dazu gezwungen sieht anderen Serien zusätzlich zu kaufen, schön ausgenommen wird.
Letzendlich wird man es aber niemandem Recht machen können und jeder, der die ausufernde Art von Marvel toll findet, der soll dies auch weiterhin tun. Allerdings konnte ich in diesem Zusammenhang die Kritik an DC nicht nachvollziehen und wollte das hier mal im Beitrag aufdröseln und näher betrachten.
Ich bin jedenfalls extrem gespannt auf das erste Großevent der New52 und gehe mit hohen Erwartungen an die Geschichte. Vor allem durch die tollen Shazam Backups in Justice League, Lemires phantastischem Justice League Dark Buch und der Fähigkeit von Johns, freue ich mich auf den Juli. 

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